Im «Spital zuhause» werden Patientinnen und Patienten, die nach herkömmlicher Praxis in einem Akutspital hospitalisiert werden, zuhause medizinisch betreut mit täglichen ärztlichen und pflegerischen Visiten. Dieses neue Konzept wurde im Kanton Basel-Landschaft im Jahre 2023 durch die Klinik Arlesheim (KLA) und im Jahre 2025 durch das Kantonsspital Baselland (KSBL) realisiert. Im Kanton Basel-Stadt gibt es ähnliche Initiativen auf Projektbasis in den Universitären Psychiatrischen Kliniken und im Felix Platter-Spital.
An der gut besuchten Monatsversammlung der Grauen Panther Nordwestschweiz vom 2. März 2026 berichtete Severin Pöchtrager, leitender Arzt Spital zuhause in der KLA und im KSBL, wie das Spital zuhause funktioniert. Die Sicht der kantonalen Versorgungsplanung erläuterten anschliessend Tamara Wyss, Gesundheit BL 2030, und Annette Egger, Qualitätsmonitoring nordwestschweizerische Spitäler. Nach den überaus anregenden Präsentationen stellte das Publikum Fragen zu Risiken und zur Finanzierung. Ursina Baumgartner und Thomas Kamber moderierten die Veranstaltung.
Wie funktioniert das Spital zuhause? Severin Pöchtrager erläutert: Patientinnen und Patienten werden von einer Ärztin/einem Arzt zugewiesen, z. B. von einer Notfallstation. Anschliessend beurteilt das Team von Spital zuhause, ob die Behandlung zuhause technisch möglich, sozial erwünscht, sicher und medizinisch sinnvoll ist. Es finden wie auf einer akutmedizinischen Abteilung im Spital tägliche pflegerische und medizinische Visiten statt. Bei Bedarf werden ein Telemonitoring eingerichtet und Fachärzt:innen beigezogen. Das Team ist rund um die Uhr erreichbar. Beim Abschluss der Behandlung wird ggfs. die nachfolgende Betreuung geplant (z. B. Physiotherapie oder Spitex). Die grossen Vorteile sind gemäss Pöchtrager bessere Schlafqualität, weniger Infektionen, schnellere Erlangung der Mobilität, weniger Stürze und mehr Selbstbestimmung. Und: Es gibt kaum Rekrutierungsprobleme beim ärztlichen und pflegerischen Fachpersonal. Für exakte Vergleiche der Kosten zwischen stationärer Behandlung und Spital zuhause liegen noch zu wenig Daten vor.
Für Tamara Wyss, Programmleiterin Gesundheit BL 2030, passt das Spital zuhause perfekt zum Grundsatz der «dezentralen, wohnortsnahen» Versorgung in der Gesundheitsplanung. Spital zuhause wird zunächst in den Versorgungsregionen Laufental und Arlesheim angeboten, im Jahr 2026 soll das Konzept auf weitere Versorgungsregionen ausgeweitet werden und im Jahr 2028 ist die Ausweitung auf den ganzen Kanton angestrebt. Das Konzept wird wissenschaftlich evaluiert durch die Fachhochschule Bern und die Universität Zürich. Der Kanton Basel-Landschaft gehört zu den Pionieren in der Implementierung von Spital zuhause in der Schweiz.
In Basel-Stadt sieht man zurzeit keine Möglichkeit einer regulären Finanzierung von Spital zuhause, wie Annette Egger, Leiterin Qualitätsmonitoring nordwestschweizerische Spitäler, ausführt. Aber der Kanton erprobt und finanziert Projekte in diesem Gebiet, und zwar zum einen in den Universitären Psychiatrischen Kliniken – mit dem erfreulichen Ergebnis, dass die Wiedereintrittsrate und die Kosten gesunken sind. Zum andern im Felix Platter-Spital mit «AdvantAGE» mit dem Konzept einer geriatrischen Übergangsversorgung, das ebenfalls erfolgreich war. Weitere Projekte sind in Planung in einer Kinderarztpraxis, im Unispital und im Adullam Spital. Annette Egger sieht im Konzept Spital zuhause viele Risiken, u. a. in den begrenzten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, in der Überforderung der Patient:innen selbst und der Angehörigen, im erhöhten Risiko von Komplikationen sowie in Ungleichheiten beim Zugang zu den Leistungen (Wohnsituation, Sprachkompetenz). Generell schätzt sie das Potential von Spital zuhause relativ kritisch ein.
Das Publikum stellte eine Reihe von Fragen zu den Präsentationen: Funktioniert das Konzept Spital zuhause auch für Alleinlebende? Severin Pöchtrager hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen ein Beziehungsnetz haben, das sie unterstützt. Eventuell braucht es Spitex-Leistungen als Ergänzung. Gibt es Probleme mit der Hygiene? In Spitälern ist das Risiko von Infektionen viel grösser als zuhause. Wie werden die Leistungen finanziert? Es existiert noch kein einheitlicher Finanzierungsmodus. Einige Krankenkassen finanzieren mittels einer Pauschale, andere verlangen eine detaillierte Auflistung der erbrachten Leistungen. Das Ziel wäre, die Leistungen von Spital zuhause in die Regelversorgung zu integrieren. Wann ist Spital zuhause nicht möglich? Unter anderem sind operative Eingriffe oder eine intensivmedizinische Betreuung nicht möglich. Generell muss die Leistung medizinisch angezeigt und vom Patienten/von der Patientin gewünscht sein.
Elke Tomforde
