Gemeinsam mit dem Behindertenforum Basel organisierten die Grauen Panther ihre Monatsversammlung vom 5. Januar im Oekolampad. Mehr als 50 Pantherinnen und Panther erhielten einen beeindruckenden und ermutigenden Einblick in den Alltag von Menschen mit Einschränkungen. Die Vorbereitung und Moderation des Anlasses besorgten Regula Meschberger und Peter Howald.
Christine Bühler, Präsidentin des Behindertenforums Basel, ist Rollstuhlfahrerin und lebt von Geburt an mit Einschränkungen. Als sie ins Schulalter kam, erklärte man sie für «nicht bildungsfähig». Ihre Eltern setzten den Besuch der Regelschule durch. Sie selbst setzte sich in der Schule und im Leben durch. «Wir müssen von der Politik die Bedingungen für ein gutes Leben fordern», sagte sie, «das betrifft Wohnen, Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Teilnahme an der Kultur und am sozialen Leben.»
Yvonne Rutschmann ist seit der Jugend blind, vor einigen Jahren verlor sie die restlichen fünf Prozent ihres Sehvermögens. Ein schwerer Einschnitt, wie sie betont. Mit ihrem Hund «Flixi» bewegt sie sich gewandt durch die Stadt und durch die Natur. «Nur mit dem Stock allein ist es eine Katastrophe.» Sich nicht-sehend zu bewegen erfordere enorme Konzentration. Hilfe ist ihr willkommen – aber nicht zu viel. Wenn jemand sagt «das kannst du doch nicht», ärgert sie das heftig. Sie will alles mindestens probieren. Bei Begegnungen ist sie froh, wenn der oder die andere nicht nur «Hoi Yvonne!» ruft, sondern auch gleich seinen/ihren Namen nennt.
Yvonne steht in enger Verbindung mit der Blindenhundeschule Liestal, und es ist ihr wichtig, dass diese ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerät. Die Liestaler Schule stehe für Rassenvielfalt und könne daher robuste, tüchtige Tiere ausbilden. Sie hat übrigens den Baselbieter Freiwilligenpreis 2025 erhalten.
Dieter Isch ist schwerhörig und verlor als Jugendlicher ein Auge. Da er so seinen Traumberuf Helikopterpilot nicht mehr ergreifen konnte, wurde er Fotograf. Er hatte zeitweise einen Hörverlust von mehr als 90% auf beiden Ohren. Er liess sich ein Cochlea-Implantat einsetzen und ist damit sehr zufrieden – es sei denn, er befinde sich in einem Gespräch mit mehreren Teilnehmenden oder in einem Restaurant. Wenn möglich bittet er darum, dass nicht mehrere Personen gleichzeitig sprechen. «Ich bin offen», sagt Dieter, «ich erzähle allen von meinem Auge und meiner Schwerhörigkeit.» Dennoch bleibt die Kommunikation eine Herausforderung. Spätestens nach zwei Stunden braucht er eine Pause. Er ermutigt gerade Männer, die nicht mehr gut hören, sich eher früher als später Beistand von Fachleuten zu suchen.
«Manchmal denke ich, ich bin nicht behindert – ich werde behindert», sagt Sonja Häsler kämpferisch. Sie erlitt mit 19 Jahren einen schlimmen Sportunfall, dem 25 Bein-Operationen folgten. Dann kam ein weiterer schwerer Unfall; sie musste sich in den Rollstuhl setzen. Doch gerade dieser «Schicksalsschlag» wurde zur Befreiung. Sie begann mit Rollstuhl-Badminton, wurde Mitglied der Nationalmannschaft, Europa- und Weltmeisterin, lernte die Welt kennen. Die gelernte Bankkauffrau arbeitet bei Procap, organisiert Reisen und Sport für Menschen mit Einschränkungen. Sonjas Motto ist: «Einmal mehr aufstehen als man fällt.» Sie kritisiert, dass man in der Schweiz oft nicht nach Lösungen für Probleme suche, sondern nach Gründen, weshalb man nichts tun müsse. Insgesamt sei das System hierzulande aber nicht schlecht, «auch wenn einem nichts auf dem Silbertablett serviert wird.»
Regelmässige Kontakte
Was man eigentlich schon weiss, aber im Alltag oft vergisst, machten die vier Gäste der Versammlung eindrücklich klar: Die Behinderte/den Behinderten gibt es nicht. Nicht nur die Einschränkungen sind höchst unterschiedlich, sondern auch die Lebenssituationen, Erwartungen, Fähigkeiten, Temperamente. Genau so wenig gibt es ja «die Alten», wie man bei den Grauen Panthern gut sehen kann. Zwischen den Grauen Panthern und dem Behindertenforum Basel bestehen denn auch regelmässige Kontakte, die vom Co-Präsidium Peter Howald und Regula Meschberger gepflegt werden.
Ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen haben viele gemeinsame Anliegen, etwa einen barrierefreien öffentlichen Verkehr samt dessen Haltestellen, Strassenbeläge, auf denen man sich auch mit Rollator oder Rollstuhl gut fortbewegen kann, angepasste Wohnungen, benutzungsfreundliche Abfallentsorgung und vieles mehr. Dass Hilfsmittel und Hilfsdienste ins Geld gehen, betonte Dieter Isch: «Behinderte sind finanziell stark belastet und müssen auf manches verzichten.»
Gemeinsam ist beiden Gruppen schliesslich die Erwartung und Erfahrung des Verlusts von Fähigkeiten und Möglichkeiten. «Damit muss man sich auseinandersetzen», sagt Christine Häsler. Das sei oft schmerzhaft. «Aber wichtig ist, dass man es nicht an den anderen auslässt.»
Hingewiesen wurde am Ende auch auf den neuen «Sunflower Lanyard», ein Band mit angehängter Karte, die auf äusserlich nicht sichtbare Einschränkungen oder Krankheiten hinweist. In der Schweiz eingeführt von den SBB, ist das Zeichen nun auch an den Verkaufsstellen von BVB und BLT erhältlich. (Bericht in der Pantherpost 4/25)
Weitere Informationen
www.behindertenforum.ch
www.procap.ch
Heinz Weber, Text und Foto
Bildlegende: Sonja Häsler, Dieter Isch, Yvonne Rutschmann, Christine Bühler (von links)
