Vorsicht: E-Mail-Betrug
«Ich bin krachend hereingefallen auf einen besonders clever gestrickten Betrug per E-Mail. Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass mir so etwas passiert.» Dies schreibt unser wohlbekannter Kollege Martin Matter. Seinen Fall teilt er – zur Warnung – gerne mit den Pantherinnen und Panthern, denn eine ganze Reihe von ihnen hat dieselbe Mail erhalten, ein zweiter ist ebenfalls darauf hereingefallen.
Es begann – angeblich – mit einer Mail von Regula Meschberger, unserer Co-Präsidentin, die er als besonders seriös und vertrauenswürdig kennt. «Ich hatte deshalb nicht den Hauch eines Zweifels, als sie mich um eine etwas ungewöhnliche Hilfeleistung bat», schreibt Matter: «Es ging darum, ein paar sogenannte Paysafecard-Geschenkgutscheine zu kaufen. Es eile ein bisschen, denn es sei für eine Überraschung. Sie könne leider nicht anrufen, da sie sich gerade in einer Besprechung befinde. Ich schmunzelte, schöpfte aber NULL Verdacht und führte die Bitte aus.» Paysafecard-Gutscheine kann man am Kiosk, an Tankstellen oder bei den Grossverteilern kaufen und als elektronisches Zahlungsmittel verwenden.
«Regula» schrieb umgehend zurück, bedankte sich und fragte zugleich, wie sie die Summe noch am selben Tag zurückzahlen könne. Heute weiss Martin: «Sie wollten natürlich meine Bankdaten!» Immerhin: Bankdaten gibt er – durchaus vorsichtig – nie per ungeschützter Mail heraus.
Nach einer Weile kam eine neue Nachricht: «Regula» bat darum, noch weitere Gutscheine zu kaufen, es reiche leider nicht ganz wie gewünscht. «Ich dachte, na hoffentlich ist es damit erledigt. Und noch immer fiel bei mir der Groschen nicht!»
Nun wartete Martin darauf, dass die Kollegin sich wegen der Rückzahlung melde. Nichts geschah. Nach etwa zwei Stunden begann es ihm (endlich) zu dämmern. Und, wie zur Bestätigung, kam eine neue Nachricht mit der Aufforderung zu weiteren Käufen. «Sie hatten gemerkt, dass die Kuh melkbar war. Inzwischen war sie aber aufgewacht.»
Im Rückblick kann unser Kollege nicht fassen, dass er auf diese Betrugsmasche hereinfiel. Er hält sich selber durchaus für informiert und vorsichtig… Sein «blindes Vertrauen» hat ihn 600 Franken gekostet. Er meldete den Fall der Cyberkriminal-Abteilung der Bundespolizei. Dort kennt man diese Masche, hatte sogar besonders gewarnt vor Mails, die rasches Handeln verlangen. Auf eine Anzeige verzichtete er. Sie hätte nichts gebracht.
Zeitdruck ist der üble Trick
Sein guter Rat an die Pantherinnen und Panther: «Schaut in Zukunft besser hin als ich, wenn ein GP-Mitglied euch dringend um etwas bittet…»
Etliche haben das auch durchaus getan. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass eine ganze Reihe weiterer Pantherinnen und Panther, deren Mailadressen auf unserer Website einsehbar sind, dieselbe Mail erhalten haben! Aber die meisten reagierten richtig und löschten die Mail. Nur einer fiel gleichzeitig ebenfalls auf die freundliche Bitte herein; er bezog die Gutscheine beim Coop, obwohl ihn vorübergehend ein leiser Zweifel an der Richtigkeit beschlichen hatte…
Regula Meschberger selber sagt, dass ihre Adresse schon seit etwa anderthalb Jahren ab und zu missbraucht wird; das ist äusserst unangenehm für sie, denn man kann sich dagegen nicht wehren. Beim ersten Mal hat sie die Polizei kontaktiert, aber die konnte auch nicht helfen. Mehrere GP-Mitglieder haben sich in früheren Fällen bei ihr erkundigt, ob sie wirklich von ihr kontaktiert worden seien; auch diese reagierten also richtig.
Die Pantherpost veröffentlicht regelmässig Warnhinweise (so dass es schon fast langweilig erscheint). Und an mehreren Veranstaltungen der Grauen Panther wurden Tipps und Regeln vermittelt. Wichtig: Fast allen Betrugsversuchen gemeinsam ist der Zeitdruck. Das potentielle Opfer soll so auf Trab gebracht werden, dass es nicht zum Nachdenken kommt. Ausserdem: Seht Euch die Absender-Adresse an! Ist es wirklich jene, mit der ihr üblicherweise mit dem/der Bekannten kommuniziert? Wenn nicht: Sofort löschen!
Neuere Maschen betreffen Betrug beim Kauf und Verkauf von Waren über Internet-Plattformen. Aufpassen, wenn ein Angebot extrem günstig erscheint! Und ganz besonders, wenn Bankdaten erbeten werden.
hw
Bildlegende: So offen sagen es uns die Betrüger*innen allerdings nicht.
Foto hw
